


Welthaus-Programm der Diözese St. Pölten: Begegnungen, die bewegen
Mit eindrucksvollen Vorträgen, lebendigen Workshops und persönlichen Begegnungen begeisterten Gäste aus Bolivien im Rahmen des Welthaus-Programms von 2.-9. Mai 2026 zahlreiche Menschen in der Diözese St. Pölten. In Schulen, Pfarren, Initiativen und verschiedenen Einrichtungen wurde gemeinsam über globale Zusammenhänge, Klimagerechtigkeit und ein gutes Leben im Einklang mit Mensch und Natur diskutiert. Die Veranstaltungen mit Águeda Colque von ISALP (Instituto de Investigación y Apoyo al Desarrollo Local) und Lenny Espinoza von CERDET(Centro de Estudios Regionales para el Desarrollo de Tarija) waren ausgesprochen gut besucht und stießen auf großes Interesse. Die Organisationen, die durch Spenden an die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unterstützt werden, fördern lokale Entwicklungsprozesse von indigenen Gemeinschaften mit Schwerpunkt auf nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Sie stärken insbesondere Frauen und Jugendliche in Fragen von Menschenrechten, Klimawandel und Sicherung ihrer Lebensgrundlagen.
Im Mittelpunkt stand das Konzept des „Buen Vivir“ – des „guten Lebens“. Dieses Verständnis stammt aus den indigenen Kulturen Südamerikas und beschreibt ein Leben in Fülle, im Gleichgewicht und im respektvollen Umgang mit der Natur. Dabei wurde deutlich: Buen Vivir bedeutet nicht materiellen Überfluss, sondern ein erfülltes Leben mit allem, was Menschen wirklich brauchen – ohne anderen oder der Umwelt zu schaden.
Die Gäste aus Bolivien berichteten aber auch offen über die schwierige Realität ihres Landes. Besonders eindrucksvoll waren die Schilderungen über den Río Pilcomayo, der einst kristallklar war und heute durch den Bergbau massiv verschmutzt ist. Schwermetalle wie Quecksilber und Blei gefährden dort Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme. Für den bolivianischen Chaco, den zweitgrößten Wald Südamerikas, ist dieser Fluss lebenswichtig. Ohne ihn würde die Region zur Wüste werden.
Große Aufmerksamkeit erhielt auch die Rolle der indigenen Gemeinschaften, die trotz Klimakrise, extremer Hitze und knapper Ressourcen beeindruckende Wege gefunden haben, um ihre Lebensgrundlagen zu sichern. Aufforstungsprojekte, Recycling-Initiativen und nachhaltige Landwirtschaft zeigen, wie lokales Wissen und gemeinschaftliches Handeln Zukunft schaffen können. Besonders die Frauen tragen dabei eine zentrale Verantwortung: Sie bewahren Wissen, stärken Gemeinschaften und sichern das Überleben vieler Familien.
Ein weiterer Schwerpunkt der Begegnungen war die globale Verantwortung unseres Konsums. Ob Smartphones, Kleidung oder Verpackungen – jede Kaufentscheidung hat Auswirkungen auf Menschen und Umwelt weltweit. Die Gäste machten deutlich, dass bewusster Konsum und solidarisches Handeln konkrete Veränderungen bewirken können.
Besonders bewegend war ein Satz, der viele Zuhörer:innen nachhaltig beeindruckte:
„Que seamos protagonistas del cambio y no cómplices de la destrucción.“
(„Lasst uns Protagonist:innen des Wandels sein und nicht Kompliz:innen der Zerstörung.“)
Die Begegnungen im Rahmen des Welthaus-Programms hinterließen bei vielen Teilnehmer:innen einen bleibenden Eindruck. Sie machten deutlich, wie wichtig internationale Solidarität, gegenseitiges Lernen und gemeinsames Handeln für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft sind.
JETZT ANMELDEN: Wer solche Begegnungen in der Pfarre oder Schule initiieren möchte, kann sich per Mail bei m.spritzendorfer@dsp.at melden. Die nächsten Gäste kommen im November 2026 aus Kolumbien und im April 2027 aus Indien!
Hier noch einige Stimmen nach den Begegnungen:
Sabine Nagl, Klimaaktivistin, Parents for Futur Waldviertel:
„Für mich als Klimagerechtigkeitsaktivistin war das Zusammentreffen und der Austausch mit den indigenen Frauen aus Bolivien total bereichernd. Vor allem ihre Haltung der Verantwortung für “das Land” – das heißt Natur, Boden, Wasser, alle Lebewesen – und die Art Gemeinschaft zu denken hat mich sehr berührt. Der Wunsch, der Wille zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen und auch der Respekt und die Dankbarkeit für alles was uns geschenkt ist habe ich als sehr vereinend wahrgenommen. Ein unverzichtbarer Austausch, wie wir gemeinsam an Lösungen der globalen und regionalen Krisen arbeiten und uns gegenseitig unterstützen können. Danke für diese Möglichkeit.“
Stefan Glaser, Initiative Lebendiger Kamp:
«Mit dem Besuch der bolivianischen Aktivistinnen hat uns das Welthaus eine Gelegenheit gegeben, Erfahrungen im Einsatz für die Natur auszutauschen. Von bolivianischen Indigenen bis ins Waldviertel und auch bei unterschiedlichen heimischen Initiativen ist die Kraftquelle dieselbe: die Verbindung zur Mutter Erde.
Bei der Exkursion konnte ich von dem langem Kampf im letzten Jahrzehnt für den Erhalt der Wildnis Reste beim Kamp-Kraftwerk Rosenburg berichten und von dem guten Kompromiss zwischen Stromerzeugung und Naturschutz, der letztlich heuer vereinbart wurde.
Der internationale Besuch im mittleren Kamptals hat gezeigt, wie sehr dieser Flussabschnitt würdig für einen Nationalpark ist.»
Bernadette Mayr, Entwicklungspolitische Referentin der Dreikönigsaktion / Sternsingen der Kath. Jungschar St.Pölten:
Der Dialog hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll internationale Perspektiven für nachhaltige Entwicklung sind. Gemeinsame Erfahrungen und unterschiedliche Blickwinkel eröffnen neue Lösungsansätze und stärken die Zusammenarbeit für unsere Schöpfung über Kontinente hinweg.
Fotoausstellung & Textilbilder: 28. April bis 2. Juli 2026
Einladung zur Vernissage: “Amazonien. Widerstand und Hoffnung”
Dienstag, 28. April 2026, 19:00 Uhr, Bildungshaus St. Hippolyt Eybnerstraße 5, 3100 St. Pölten
Die Ausstellung gibt eindrucksvolle Einblicke in die Lebensrealitäten indigener Völker im brasilianischen Amazonasgebiet. Die Ausstellung regt dazu an, sich mit Themen wie Umwelt, Gerechtigkeit und globaler Verantwortung auseinanderzusetzen.
Im Programm:
Begrüßung durch Bildungsreferentin für Welthaus und Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Diözese St.Pölten, Mag.a Michaela Spritzendorfer-Ehrenhauser, die ihre Fotografien, die auf einer Reise für die Fastenaktion der Diözese St. Pölten entstanden, erstmals im großen Rahmen zeigt. Ergänzt werden die Bilder durch Arpilleras, einer einzigartigen Sammlung von Textilkunst, geschaffen von Frauen „der Bewegung der Betroffenen durch Staudämme“ (MAB).
Den Abend eröffnet Dr. Georg Grünberg, Ethnologe und Brasilien-Experte mit einem inhaltlichen Impuls. Im Anschluss an einen gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung laden wir herzlich zu einer Agape ein – mit Raum für Austausch und Begegnung.

Begegnung mit Gästen aus Bolivien „Stimmen des Widerstands – indigene Frauen gegen Umweltzerstörung“
Was würdest Du tun, wenn der Fluss, der Deine Ernährung, Kultur und Identität sichert, langsam stirbt? Am Rio Pilcomayo in Bolivien ist diese Frage für die Menschen bittere Realität. Umweltverschmutzung durch Bergbau, großflächige Landwirtschaft und die Folgen der Klimakrise belasten Wasser, Böden und Gesundheit. Die Ursachen reichen weit über Bolivien hinaus – sie sind eng mit globalen Produktions- und Konsummustern verbunden.
Doch mitten in diesen Herausforderungen organisieren sich indigene Frauen. Sie gründen Kollektive, entwickeln nachhaltige Einkommensmöglichkeiten, setzen sich für den Zugang zu sauberem Wasser ein und kämpfen für ihre Rechte, für kulturelle Anerkennung und für eine lebenswerte Zukunft ihrer Gemeinschaften.
Von 2.-9. Mai kommen zwei Mitarbeiterinnen* aus den Organisationen CERDET und ISALP in die Diözese St. Pölten. Sie geben Einblick in ihre Arbeit und zeigen, wie Empowerment, Bildung und gemeinschaftliches Handeln zu wirksamen Antworten auf ökologische und soziale Krisen werden.
Besuchen Sie unsere öffentlichen Veranstaltungen und kommen Sie mit unseren inspirierenden Gästen ins Gespräch. Erfahren Sie aus erster Hand, wie indigene Menschen Tag für Tag für Gerechtigkeit, Teilhabe und den Schutz ihrer Lebensräume eintreten.:
Montag, 4. Mai 2026, 19.00 GEA Hotel zur Sonne,
Hauptplatz 5, 3943 Schrems
Donnerstag, 7. Mai 2026, 14.30-16 Uhr,
BILDUNGSZENTRUM ST. BENEDIKT, Promenade 13, 3353 Seitenstetten
Beitrag: freie Spenden
Referent*innen:
Águeda Colque ist Koordinatorin des Projekts K’acha Kausakunapaq bei ISALP in Bolivien. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit indigenen Gemeinschaften, insbesondere zu Dialogprozessen, nachhaltiger Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Frauenförderung und ist national wie international in Beratungs- und Austauschprogrammen tätig.
Lenny Espinoza ist Anthropologin und Kulturmanagerin und arbeitet mit Frauen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Weenhayek-Volkes zu Menschenrechten, Zugang zur Justiz und Klimawandel. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung von Frauen, der Sicherung von Lebensgrundlagen wie Fischerei und Kunsthandwerk sowie der Förderung weiblicher Führungskräfte.


Gemeinsam schaffen wir Begegnungen, die (etwas) bewegen!
Mehr Infos: LINK zur PA „Begegnung mit Gästen _ Bolivien 2026“
Spendeneinzahlung für Pfarren, 29. Mai 2026
Wir bitten alle Pfarren, die eingesammelten Beträge bis spätestens 29. Mai 2026 an die Fastenaktion zu überweisen. Damit gewährleisten Sie, dass wir die Spenden so bald wie möglich an unsere Partnerdiözesen und Projektpartner weiterleiten können. Sollten Sie den Termin übersehen haben, nehmen wir Ihre Spende gerne auch später noch an. Danke!
Aschermittwoch, 18. Februar 2026
Aschermittwochsandacht des Kath. Akademiker/innenverbandes mit
Prl. Mag. H. Maximilian Fürnsinn
Mittwoch, 18. Februar 2026, 11.30 Uhr – Leopoldkapelle, NÖ Landhaus
mit Vorstellung der Fastenaktion
